WG-DATA | Susanne Schwirner | Christian Peltzer
14.03.2025

Banken im Umbruch: Fünf Stellhebel für Stabilität und Wachstum bis 2030

Die vergangenen Jahre haben Banken Rekordergebnisse beschert. Der Zinsanstieg ab 2022 führte zu deutlichen Ertragssteigerungen – doch mit der Leitzinssenkung im Juni 2024 endet diese Phase. Die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle rückt wieder in den Mittelpunkt.

Viele unserer Kunden – vor allem Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatbanken – stehen vor dieser Herausforderung: Wie kann nachhaltiges Wachstum gelingen, wenn die Zinsmargen unter Druck geraten?

Die Rahmenbedingungen haben sich deutlich verändert:

  • Makroökonomische Unsicherheiten: Hohe Energiekosten, geopolitische Spannungen und anhaltender Arbeitskräftemangel.
  • Rückläufige Kreditnachfrage: Die schwächelnde Konjunktur bremst Investitionen und Konsum.
  • Steigende Kreditausfälle: Mehr Insolvenzen führen zu höheren Risikokosten.

Die Finanzbranche steht an einem Wendepunkt. Wer strategisch handelt, wird die Zukunft aktiv gestalten – wer abwartet, wird reagieren müssen.“

Nach dem Zinsboom: Wie Banken jetzt ihr Geschäftsmodell zukunftsfähig aufstellen

Unsere Erfahrung zeigt: Die Institute, die jetzt aktiv gegensteuern und gezielt investieren, werden langfristig die Gewinner sein. Hier sind die fünf zentralen Stellhebel.

1. Provisionsergebnis ausbauen

Die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft muss reduziert werden. Besonders Regionalbanken suchen aktuell nach Wegen, ihr Provisionsgeschäft zu stärken – sei es durch Kooperationen mit Produktgebern oder den gezielten Aufbau von Plattformstrategien und Ökosystemen. Ein gezielter Vertrieb und passgenaue Beratungsangebote sind hier der Schlüssel.

„Erfolgreiche Banken denken jetzt in Ökosystemen. Wer sich als Plattform für Kundinnen und Kunden etabliert, stärkt seine Zukunftsfähigkeit.“

2.  Twin Transformation aktiv gestalten

Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind keine Zukunftstrends, sondern längst geschäftskritische Themen. In unseren Projekten sehen wir, dass Banken, die frühzeitig in diese Bereiche investieren, nicht nur regulatorische Anforderungen besser bewältigen, sondern auch zusätzliche Ertragsquellen erschließen. Entscheidend ist dabei eine strategische Priorisierung: Welche Investitionen zahlen wirklich auf die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells ein?

„Die Twin Transformation ist kein Trend – sie ist eine strategische Notwendigkeit für den Finanzsektor.“

3.  Die nächste Kundengeneration gewinnen

Viele Institute haben einen alternden Kundenstamm. Wer langfristig wettbewerbsfähig bleiben will, muss Gen Z und Gen Alpha gezielt ansprechen. Doch hier gibt es oft Unsicherheiten: Welche Produkte passen zur Lebensrealität junger Menschen? Wie müssen Vertriebs- und Kommunikationskanäle aufgestellt sein? Erfolgreiche Banken setzen auf eine Kombination aus digitalen Services, personalisierten Angeboten und Omnichannel-Strategien.

„Gen Z und Gen Alpha sind nicht nur neue Kundengruppen – sie sind die Zukunft der Banken. Wer sie früh gewinnt, sichert langfristige Erträge.

4.   Regulatorische Anforderungen effizient umsetzen

Vorgaben wie DORA oder PSD3 sind für viele Banken eine Belastung – sie binden interne Ressourcen, die dann in strategischen Projekten fehlen. In der Praxis sehen wir oft, dass Banken regulatorische Anforderungen als reines „Abarbeiten“ betrachten. Der eigentliche Hebel liegt aber darin, regulatorische Anforderungen mit bestehenden Strukturen zu verzahnen und effizient zu steuern – damit sie nicht zur Wachstumsbremse werden.

„Regulatorik darf kein Kostenfaktor bleiben – wer klug priorisiert, kann Effizienzgewinne erzielen.“

5.   Fachkräfte gewinnen und binden

Bis 2030 werden rund 30 Prozent der Mitarbeitenden in Banken altersbedingt ausscheiden. Eine reine Produktivitätssteigerung wird diese Lücke nicht schließen können. Erfolgreiche Banken kombinieren gezielte Rekrutierungsmaßnahmen mit durchdachten Programmen zur Mitarbeiterqualifizierung und -bindung. Besonders gefragt sind flexible Arbeitsmodelle, interne Entwicklungsmöglichkeiten und eine moderne Führungskultur.

„Bis 2030 gehen 30 Prozent der Mitarbeitenden in den Ruhestand. Die Frage ist nicht, ob man handelt – sondern wie schnell.“

Für eine stabile Zukunft: Handlungsdruck erkennen, Chancen nutzen

Die Finanzbranche steht an einem Wendepunkt. Erfolgreich werden diejenigen Institute sein, die ihre Geschäftsmodelle konsequent weiterentwickeln.

Bei WG-DATA begleiten wir Banken dabei, genau diese Herausforderungen strategisch und umsetzungsstark anzugehen – von der Neuausrichtung des Provisionsergebnisses über die Umsetzung regulatorischer Anforderungen bis hin zur Transformation von Geschäftsprozessen. Unser Fokus liegt darauf, gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen zu erarbeiten, die in der Praxis funktionieren.

Dieser Artikel entstand im Austausch zwischen Susanne Schwirner (Geschäftsführerin) mit Christian Peltzer (Partner für Business Transformation Management) bei der WG-DATA GmbH.


FAQs

Banken stehen vor mehreren Herausforderungen: sinkende Zinsmargen durch Leitzinssenkungen, rückläufige Kreditnachfrage aufgrund schwacher Konjunktur, gestiegene Kreditausfälle infolge zunehmender Insolvenzen und makroökonomische Unsicherheiten wie hohe Energiepreise, geopolitische Spannungen und Fachkräftemangel.

Banken können jüngere Zielgruppen wie Gen Z und Gen Alpha ansprechen, indem sie digitale Services, personalisierte Angebote und Omnichannel-Kommunikation nutzen. Produkte und Kommunikationskanäle müssen zur Lebensrealität dieser Generationen passen.

Um Mitarbeitende zu halten und neue Talente zu gewinnen, sollten Banken flexible Arbeitsmodelle bieten, intern Weiterbildung und Entwicklung fördern, moderne Führungskultur etablieren und rechtzeitig auf den altersbedingten Abgang von rund 30 % der Belegschaft reagieren.

Plattformstrategien und Ökosysteme ermöglichen Regionalbanken, ihr Provisionsgeschäft zu erweitern und digitale Services zu integrieren. Indem sie sich als Plattform für Kunden positionieren, schaffen sie Mehrwert und reduzieren die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft.

Twin Transformation bezeichnet die gleichzeitige Umsetzung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Banken investieren strategisch in digitale Prozesse sowie grüne Geschäftsfelder, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und neue Ertragsquellen zu erschließen.

Nachhaltigkeit ist Teil der Twin Transformation; sie hilft Banken, regulatorische Vorgaben zu erfüllen und öffnet Ertragsmöglichkeiten etwa durch grüne Finanzprodukte oder nachhaltige Kreditvergabe. Frühe und gezielte Investitionen führen zu Wettbewerbsvorteilen.