12.02.2026

Moment der Wahrheit: Warum 90 Minuten in der Krise über alles entscheiden

Dienstag, 14:30 Uhr. Sie sitzen im Meeting. Plötzlich flackert das Licht. Einmal. Zweimal. Dann – Dunkelheit. 

Die Klimaanlage verstummt. Die Technik ist aus. Die Zugangskontrolle leuchtet nicht mehr. Im 4. Stock sitzt eine Kollegin im Aufzug fest. Die Kameras sind blind. Ihr Telefon vibriert, aber das Mobilfunknetz ist bereits überlastet. 

Was tun Sie? 

Von der ersten Sekunde einer Krise bis zur ersten öffentlichen Stellungnahme vergehen oft nur 90 Minuten. In dieser Zeit entscheidet sich alles: Vertrauen oder Vertrauensverlust, Kontrolle oder Chaos, professionelles Handeln oder kommunikatives Versagen. 

Die unterschätzte Gefahr: Wenn Krisenpläne in der Schublade bleiben 

Ein Krisenplan, der nicht geübt wurde, ist wie ein Feuerlöscher, den niemand bedienen kann – im Ernstfall wertlos. Diese provokante These wird durch aktuelle Zahlen eindrucksvoll bestätigt: 

Die ernüchternde Realität: 

  • 73% der Unternehmen haben einen Krisenplan 
  • Aber nur 12% üben regelmäßig 
  • 68% scheitern bei tatsächlichen Krisen an der Umsetzung  
  • Laut FTI Consulting (2024) führen 70% der Unternehmen keine Krisenübungen durch 

Das Ergebnis: Unternehmen sind auf die Krisen, die sie am stärksten gefährden, am wenigsten vorbereitet. 

Was wirklich passiert: Die Kaskadeneffekte einer Krise 

Ein Stromausfall ist nie nur ein Stromausfall. Er löst eine Kette von Ereignissen aus, die Organisationen schnell an ihre Grenzen bringen: 

  • IT-Systeme fallen aus 
  • Zugangskontrolle versagt 
  • Aufzüge stehen still 
  • Mobilfunknetz wird überlastet 
  • Keine Kommunikation möglich
  • Notstromaggregate laufen an (wenn vorhanden und richtig integriert und getestet) 
  • Mitarbeiter (Homeoffice) und Kunden können nicht erreicht werden 
  • Social Media beginnt zu explodieren 
  • Die Technik ist eingeschränkt oder gar nicht funktional 
  • Kontrollverlust droht 
  • Datenbanken sind gefährdet 
  • Rechtliche Konsequenzen (DSGVO) werden relevant 
  • Heizung/Kühlung fällt aus 
  • Verderbliche Güter (z.B. in der Kantine) werden zum Problem 
  • Gebäudesicherheit ist gefährdet 
  • Reputation leidet massiv 
  • Medien berichten 
  • Kunden verlieren Vertrauen 
  • Langfristiger Imageschaden entsteht 
  • Unsicherheit unter Mitarbeitenden 

Die versteckte Gefahr: Cyberangriffe und IT-Ausfälle 

Die Bedrohungslage hat sich dramatisch verschärft. 2024 stiegen die Cyberversicherungsleistungen in Deutschland um 50% auf 180 Millionen Euro.  

Aktuelle Beispiele zeigen das Ausmaß: 

Bitmarck Cyberangriff (2024): 
Ein IT-Dienstleister für Krankenkassen erlitt mehrtägige Systemausfälle, die bundesweit Versicherte betrafen. 

CrowdStrike-Vorfall (Juli 2024): 
Ein fehlerhaftes Software-Update führte zu einem weltweiten IT-Ausfall – auch die Versicherungsbranche war massiv betroffen. 

IT-Ausfall bei Versicherung: 
Ein Cyberangriff legte die Systeme für 3 Tage lahm. Das Problem: Keine vorbereiteten Statements. Ein Kunde postete auf Twitter: “Niemand erreicht, keine Info.” Der Verlust: 15% Neukunden-Rückgang im Folgequartal. 

Die bittere Wahrheit: Nicht die Krise selbst zerstört Reputation – sondern das Schweigen, das Chaos und die Hilflosigkeit in der Kommunikation. 

Der Unterschied zwischen Krisenmanagement und Krisenkommunikation 

Stellen Sie sich einen Eisberg vor:
 
Über der Wasserlinie (sichtbar für alle): 
Krisenkommunikation – was die Öffentlichkeit wahrnimmt 

Unter der Wasserlinie (unsichtbar im Hintergrund): 
Krisenmanagement – die operative Arbeit 

Die entscheidende Erkenntnis: Sie können das beste Krisenmanagement der Welt haben, mit perfekten Notfallplänen, geschulten Teams und Backup-Systemen. Aber wenn Ihre Krisenkommunikation versagt, wenn Sie zu spät, zu unklar oder zu defensiv kommunizieren, dann wird die Öffentlichkeit nur eines sehen: Chaos, Inkompetenz, Kontrollverlust. 

Krisenkommunikation ist nicht das Sahnehäubchen – sie IST die Krise. Denn Wahrnehmung ist Realität. 

Die 5 Goldenen Regeln gekonnter Krisenkommunikation 

Die durchschnittliche Dauer bis zur ersten Medienanfrage beträgt nur 37 Minuten. Ihre erste Stellungnahme sollte innerhalb von 60 Minuten erfolgen – auch wenn Sie noch nicht alle Details kennen. 

Besser: “Wir sind informiert, arbeiten an der Lösung, nächstes Update in 2 Stunden” als stundenlang zu schweigen. 

Schweigen = Kontrollverlust. Das Informationsvakuum wird gefüllt – nur eben nicht von Ihnen, sondern von Spekulationen, Gerüchten und Fake News. 

Ein designierter Sprecher, stimmige Aussagen. Abgestimmte Kernbotschaften über alle Kanäle hinweg, sowohl  intern wie extern, online wie offline. 

Inkonsistente Kommunikation erzeugt Misstrauen und verstärkt den Eindruck von Chaos. 

Zeigen Sie Verständnis für Betroffene. Keine Schuldzuweisungen, keine Rechtfertigungen. 

“Wir verstehen die Sorgen…” statt “Es war nicht unsere Schuld…” 

Achten Sie auch auf nonverbale Kommunikation. Die Macht der Bilder ist enorm: Wie Sie sich positionieren, wo Sie stehen, wie Ihre Körpersprache wirkt – all das sendet Botschaften. 

Teilen Sie, was Sie WISSEN. Spekulieren Sie NICHT über Ursachen. Kommunizieren Sie den Prozess: “Wir untersuchen X, Y, Z” 

Vermeiden Sie voreilige Schuldzuweisungen oder Theorien, die sich später als falsch erweisen könnten. 

Sichtbarkeit der Führung ist entscheidend. Menschen in Krisen brauchen Orientierung:  Sie suchen nach jemandem, der zeigt: “Wir haben die Lage im Griff.” 

Die Macht der Bilder: Vor Ort sein (nicht im Home Office) signalisiert Kontrolle und Verantwortungsübernahme. 

Krisen sind berechenbar 

Die gute Nachricht: Krisen sind berechenbar. Nicht im Detail, aber in ihren Mustern. Entscheidend ist, wie gut eine Organisation die wesentlichen Grundlagen beherrscht. Dazu gehören drei zentrale Fähigkeiten, die jede Struktur im Ernstfall tragen müssen. 

  1. Vorbereiten – eine gute BCM-/Krisenplanung entwickeln 
  1. Üben – regelmäßig, realistisch, ehrlich 
  1. Kommunizieren – schnell, klar, empathisch 

Die Technik kann versagen. Aber wenn die Kommunikation versagt, die Führung versagt, die Vorbereitung fehlt, dann wird aus einer Störung eine Katastrophe. 

Sie haben es in Ihrer Hand. Nicht die Krise entscheidet über Ihre Reputation, sondern wie Sie mit ihr umgehen. Theorie braucht Praxis, damit sie im Ernstfall trägt. Sind Sie bereit, Ihre Strukturen auf die Probe zu stellen? 

Der Test für Ihr Krisen- und Notfallmanagement 

Nehmen Sie an unserem kostenfreien Webex-Workshop am 18.02.2026 von 8:30 bis 9:30 Uhr teil und stellen Sie Ihr Krisen- und Notfallmanagement auf den Prüfstand. 

Unter dem Titel „Krisen- und Notfallmanagement: Seien Sie bereit für den nächsten Krisenfall“ erwartet Sie ein praxisnahes Szenario, das reale Abläufe anschaulich widerspiegelt und zeigt, wie schnell sich eine Störung zu einer kritischen Situation entwickeln kann. In dieser intensiven Stunde erhalten Sie von unseren erfahrenen Expertinnen und Experten konkrete Einblicke in verwundbare Prozesse, notwendige Prioritäten sowie die entscheidende Rolle klarer und wirksamer Kommunikation. 

Zur Teilnahme melden Sie sich bitte unter baerbel.adamek@wg-data.de an.  

Dienstag, 14:30 Uhr. Das Licht flackert. Aber diesmal werden Sie vorbereitet sein. Diesmal wissen Sie genau, was zu tun ist. Und diesmal wird aus einer Störung keine Krise. 

Bärbel Adamek
Senior Consultant
Risiken und Compliance
baerbel.adamek@wg-data.de

Jörn Stenvers
Partner
Risiken und Compliance
joern.stenvers@wg-data.de


Quellenangaben

  • Studien zu Krisenkommunikation und Reputationsmanagement
  • Quelle: IHK München, Studien zu Krisenmanagement
  • Quelle: GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, 2024)
  • Quelle: Tagesschau – “Cyberangriff auf Krankenkassen-Dienstleister”
  • IT-Dienstleister für Krankenkassen, mehrtägige Systemausfälle
  • Quelle: Munich Re (2025) – “Der CrowdStrike-Vorfall – ein Warnschuss für Versicherer?”
  • Weltweiter IT-Ausfall durch fehlerhaftes Software-Update
  • Quelle: Security Insider (04.02.2026)
  • Artikel: “Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen 2026 aktuell”
  • Quelle: Experten.de – “Cyber-Reputationsrisiken” (2025)